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Murmeltiersalbe für die Gelenke: Wirkung aus den Alpen

Wanderer schwören auf die Salbe aus dem Bergland, und tatsächlich steckt im Murmeltierfett ein überraschender Stoff: körpereigene, cortisonverwandte Verbindungen. Was das für die Gelenke bedeutet, wie man die Salbe anwendet und welche pflanzlichen Alternativen es gibt.

AH
Alpenheil-Redaktion
Veröffentlicht am 20. Mai 2026 · 6 Min. Lesezeit
Geöffnete Salbendose mit gelblicher Murmeltiersalbe auf Holz, daneben Alpenkräuter und Bergpanorama
Traditionelle Einreibung aus dem Alpenraum · Aufnahme zur Illustration

In vielen Berghütten steht sie im Regal, und Wanderer reichen sie sich weiter wie einen Geheimtipp: die Murmeltiersalbe. Sie wird zum Einreiben von Knien, Schultern und Rücken verwendet. Der spannendste Punkt wird in den meisten Ratgebern übersehen: Das Fett des Murmeltiers enthält von Natur aus cortisonverwandte Stoffe. Genau das liefert eine nachvollziehbare Erklärung für die überlieferte Wirkung – und zugleich einen guten Grund, die Salbe nüchtern statt euphorisch zu betrachten.

Was ist Murmeltiersalbe – und wofür wird sie genutzt?

Murmeltiersalbe ist eine Einreibung auf Basis von Murmeltierfett. Traditionell wird das ausgelassene Fett mit pflanzlichen Ölen und Wachsen zu einer streichfähigen Salbe verarbeitet, oft ergänzt durch Kräuterauszüge wie Arnika oder Johanniskraut. Verwendet wird sie zum Einreiben von Gelenken, Muskeln und Rücken – etwa nach einer langen Bergtour, bei Verspannungen oder bei steifen Knien am Morgen.

Der Reiz liegt in der Konsistenz: Tierisches Fett zieht langsam ein, wirkt wärmend und eignet sich gut für eine ausgiebige Einreibung mit sanfter Massage. Genau diese Massage – das bewusste Kneten und Wärmen – trägt oft schon einen spürbaren Teil zum Wohlgefühl bei, unabhängig von den Inhaltsstoffen. Ein gesicherter Nachweis einer eigentlichen Heilwirkung beim Menschen fehlt bislang; die Anwendung stützt sich vor allem auf alpine Überlieferung.

Der überraschende Punkt vorweg

Murmeltierfett ist kein beliebiges Speisefett. Im Labor liessen sich darin natürliche Kortikosteroide nachweisen – dieselbe Stoffgruppe, zu der auch das entzündungshemmende Cortison gehört. Das erklärt, warum die Bergbevölkerung dem Fett seit jeher eine Wirkung bei Rheuma und steifen Gelenken zuschrieb.

Enthält Murmeltiersalbe wirklich Cortison?

Die kurze Antwort: nicht das Medikament, aber verwandte Stoffe. Bei der Suche nach den entzündungshemmenden Bestandteilen von Dachs- und Murmeltierfett wies eine Laboruntersuchung im Fett beider Tiere mehrere körpereigene Kortikosteroide nach. Das sind natürliche Hormone aus der Nebennierenrinde, chemisch nah verwandt mit dem als Entzündungshemmer bekannten Cortison (Glucocorticoide). Die nachgewiesene Menge lag in der Grössenordnung von rund 30 bis 40 Milligramm pro Kilogramm Fett.

Warum ist das plausibel? Vor dem Winterschlaf lagert das Murmeltier eine dicke Fettschicht ein, in der sich fettlösliche Hormone anreichern. Genau diese Hormone könnten den überlieferten Ruf der Salbe erklären. Wichtig ist aber die Einordnung: 30 bis 40 mg/kg ist eine kleine Menge, und wie viel davon eine fertige, mit Ölen gestreckte Salbe noch enthält, ist in der Regel nicht deklariert. Eine Murmeltiersalbe ist deshalb keine Cortisonsalbe aus der Apotheke und kann eine ärztlich verordnete Behandlung nicht ersetzen.

Hilft Murmeltiersalbe bei Arthrose?

Hier ist Ehrlichkeit gefragt. Für die Murmeltiersalbe selbst gibt es keine aussagekräftigen klinischen Studien am Menschen, weder bei Arthrose noch bei anderen Gelenkbeschwerden. Was existiert, stammt aus dem Labor: Eine Tierstudie mit Murmeltieröl zeigte an Ratten eine Hemmung von Schwellung und Entzündungszeichen sowie einen Rückgang bestimmter Entzündungsbotenstoffe. Solche Ergebnisse sind ein Hinweis, aber kein Beweis für eine Wirkung beim Menschen – zwischen Rattenpfote und menschlichem Kniegelenk liegt ein weiter Weg.

Für Einreibungen im Allgemeinen ist die Studienlage besser: Bei Kniearthrose sind äusserlich aufgetragene entzündungshemmende Gele (topische Antirheumatika) nachweislich wirksam gegen Schmerzen und gelten als vergleichsweise gut verträglich. Ob eine Murmeltiersalbe hier mithält, ist mangels Studien offen. Realistisch betrachtet ist sie ein traditionelles Hausmittel für die Selbstfürsorge, das viele als wohltuend erleben – nicht eine belegte Arthrosetherapie. Bei fortschreitender Arthrose bleiben Bewegung, Physiotherapie und ärztlich begleitete Massnahmen die tragenden Säulen.

30–40
mg Kortikosteroide je kg Murmeltierfett (Laborbefund)
21 / 7
Tage Anwendung, dann Tage Pause (Faustregel)
144
Notruf in der Schweiz bei akuten Notfällen

Wie oft darf man Murmeltiersalbe anwenden?

In der alpinen Tradition hat sich eine einfache Faustregel gehalten: 21 Tage anwenden, dann 7 Tage Pause. Konkret bedeutet das, die Salbe drei Wochen lang ein- bis zweimal täglich in das betroffene Gelenk einzumassieren und danach eine Woche auszusetzen, bevor eine neue Phase beginnt. Der Gedanke dahinter ist, die Haut nicht dauerhaft zu belasten und dem Körper Erholungsphasen zu lassen. Diese Regel ist Überlieferung, keine aus Studien abgeleitete Dosierung.

  • Nur auf unverletzte Haut: nicht auf offene Wunden, Ekzeme oder gereizte Stellen auftragen.
  • Sanft einmassieren: eine erbsengrosse Menge genügt; die Massage selbst ist Teil der Anwendung.
  • Verträglichkeit testen: bei erstmaliger Anwendung zunächst eine kleine Hautstelle prüfen, um Reizungen auszuschliessen.
  • Herstellerangaben beachten: verbindliche Dosierungen gibt es nicht – im Zweifel gilt, was auf der Packung steht.

Nicht geeignet ist die reine Selbstbehandlung, wenn ein Gelenk stark geschwollen, gerötet und überwärmt ist, wenn Fieber hinzukommt oder die Schmerzen plötzlich und heftig auftreten. Solche Zeichen gehören ärztlich abgeklärt. Bei einem echten Notfall gilt in der Schweiz der Notruf 144.

Traditionelle Einreibung, kein Heilmittelversprechen

Dieser Beitrag beschreibt ein überliefertes Hausmittel und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für Murmeltiersalbe bestehen keine belegten Heilaussagen. Bei anhaltenden, starken oder mit Schwellung und Fieber verbundenen Gelenkbeschwerden bitte ärztlich abklären lassen.

Pflanzliche Alternativen für Vegetarier

Wer auf ein tierisches Produkt verzichten möchte, findet mehrere pflanzliche Einreibungen, die bei Muskel- und Gelenkbeschwerden traditionell und teils gut untersucht sind. Anders als bei der Murmeltiersalbe gibt es hier menschliche Studien.

AlternativeTypische AnwendungStudienlage
Beinwell (Wallwurz)Salbe bei Prellungen, Zerrungen, GelenkschmerzenMehrere Studien am Knie zeigten Schmerzlinderung
Capsaicin (Chili)Creme bei Arthroseschmerz, wärmender ReizIn Studien schmerzlindernd, kann aber brennen
ArnikaGel bei Prellungen und MuskelkaterTraditionell verbreitet, Datenlage gemischt

Besonders die Beinwellsalbe ist eine naheliegende Alternative: In kontrollierten Studien am Kniegelenk linderte ein Beinwellwurzel-Extrakt Schmerzen deutlich stärker als ein Scheinpräparat. Wie man eine solche Salbe bei einer akuten Verletzung richtig einsetzt, lesen Sie im Beitrag Wallwurz-Salbe bei Verstauchung richtig anwenden. Vertiefende Grundlagen zur pflanzlichen Selbstbehandlung finden sich zudem im Ratgeber zur Phytotherapie und im Naturheilkunde-Ratgeber (jeweils im Ratgeberbereich).

Woher kommt das Fett – und die Tradition?

Das Fett stammt vom Alpenmurmeltier, einem Nagetier, das in den Schweizer Alpen weit verbreitet ist. Vor dem monatelangen Winterschlaf frisst es sich eine dicke Fettschicht an – historisch die Grundlage der Salbe. In der Schweiz ist die Jagd auf das Murmeltier über das kantonale Jagdregal geregelt: Kantone legen Jagdzeiten und Schonzeiten fest, das Tier ist nicht frei bejagbar. Das gewonnene Fett wurde früher ausgelassen und für Einreibungen genutzt; heute stammen viele Salben von spezialisierten Herstellern aus dem Alpenraum.

Die Tradition reicht weit zurück: Schon in früheren Jahrhunderten galt das Fett von Winterschläfern als Hausmittel gegen «Reissen» in den Gliedern. Ähnliche Überlieferungen gibt es zum Dachsfett. Aus heutiger Sicht verbindet sich in der Murmeltiersalbe also altes Erfahrungswissen mit einem realen biochemischen Kern – den fettlöslichen Hormonen –, ohne dass daraus schon ein bewiesenes Heilmittel geworden wäre. Weitere Hintergrundbeiträge finden Sie in unserem Blog.

Häufige Fragen

Für was ist Murmeltiersalbe gut?

Murmeltiersalbe wird traditionell zum Einreiben von Gelenken, Muskeln und Rücken verwendet, etwa nach Wanderungen oder bei Verspannungen. Das Fett zieht gut in die Haut ein und wird als wärmende, pflegende Einreibung geschätzt. Ein gesicherter Nachweis einer Heilwirkung beim Menschen fehlt jedoch; die Anwendung beruht vor allem auf alpiner Überlieferung.

Enthält Murmeltiersalbe wirklich Cortison?

Nicht das Medikament Cortison. Eine Laboruntersuchung wies im Körperfett von Murmeltier und Dachs jedoch mehrere natürliche Kortikosteroide nach, also körpereigene, cortisonverwandte Stoffe, in einer Grössenordnung von rund 30 bis 40 Milligramm pro Kilogramm Fett. Das ist eine kleine Menge und nicht mit einer Cortisonsalbe aus der Apotheke gleichzusetzen.

Hilft Murmeltiersalbe bei Arthrose?

Für die Murmeltiersalbe selbst gibt es keine aussagekräftigen Studien am Menschen bei Arthrose. Eine Tierstudie mit Murmeltieröl zeigte im Labor eine Hemmung von Entzündungszeichen. Viele Menschen empfinden das Einreiben als wohltuend, ein Beleg für einen den Krankheitsverlauf verändernden Nutzen liegt aber nicht vor. Bei anhaltenden Gelenkschmerzen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Wie oft darf man Murmeltiersalbe anwenden?

Eine in der alpinen Tradition verbreitete Faustregel lautet: über 21 Tage ein- bis zweimal täglich einreiben, danach 7 Tage Pause, bevor eine neue Anwendungsphase beginnt. Die Salbe wird nur auf unverletzte Haut aufgetragen. Verbindliche Dosierungen gibt es nicht; im Zweifel hält man sich an die Angaben des Herstellers.

Woher kommt das Fett für Murmeltiersalbe?

Das Fett stammt vom Alpenmurmeltier, das in der Schweiz jagdlich reguliert wird. Vor dem Winterschlaf legen die Tiere eine dicke Fettschicht an, die früher von Jägern gewonnen und ausgelassen wurde. Die Jagd unterliegt in der Schweiz dem kantonalen Jagdregal mit festen Schonzeiten. Für vegetarische Alternativen kommen pflanzliche Einreibungen wie Beinwell infrage.

Quellen & Literatur

  1. Wagner H et al. Nachweis von Corticosteroiden im Fett von Dachs und Murmeltier. Zeitschrift für Naturforschung B, 1988.
  2. Zhou J et al. Chemical Composition and Anti-arthritic Potential of Himalayan Marmot Oil (Tierstudie). Pharmacognosy Magazine, 2025.
  3. Grube B et al. Efficacy of a comfrey root (Symphytum) extract ointment in painful knee osteoarthritis. Phytomedicine, 2007.
  4. Persson MSM et al. Relative efficacy of topical NSAIDs and capsaicin in osteoarthritis: a network meta-analysis. Osteoarthritis and Cartilage, 2018.